Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Menschen sind unterschiedlich – über eine Generation, die manches verbindet ist jetzt im Lutherischen Verlagshaus ein wichtiges Buch erschienen: Bis heute achten die Menschen dieser Generation darauf, dass ihre Teller leer gegessen sind. Sie mögen nichts wegwerfen, und viele können nachts nicht durchschlafen. Auch 72 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 toben die Schrecken von damals oft lautlos in den Seelen der damaligen Kriegskinder weiter. Ihre traumatischen Erlebnisse schildern Hannoveraner aus der Generation der 65- bis 80-Jährigen in «Im Krieg war ich noch klein», einem neuen Buch des Lutherischen Verlagshauses in Hannover.
Autorin ist die hannoversche Psychotherapeutin Anette Winkelmüller, die viele Leidtragende behandelt hat. Vor zwei Jahren bot sie deshalb in ihrem Stadtteil das Seminar «Kriegskinder erinnern sich» an. «Es war, als würde eine lange verschlossen gehaltene Tür aufgestoßen», sagt die 74-Jährige. Eine große Gruppe Betroffener begab sich ein Jahr lang auf Spurensuche. Die Teilnehmer schrieben ihre Biografien auf, die in dem Buch dokumentiert werden. «Die Kriegskinder haben jetzt, am Ende ihres Lebens, das große Bedürfnis zu reden», erläutert Winkelmüller, die noch heute bei Sirenenalarm erschaudert. An den Einzelschicksalen sei das vergangene Leid eindrucksvoll abzulesen.
«Der Krieg schreibt sich tief in den Körper ein», sagt Winkelmüller und zählt Symptome auf: schwere Depressionen, Panikstörungen, Rückzugstendenzen, Misstrauen, Ess- und Schlafprobleme oder Schmerzen ohne Befund. Etwa zweieinhalb Millionen der über 60-Jährigen in Deutschland leiden einer Studie zufolge unter den Spätfolgen.
Doch das Buch erzählt nicht nur von traurigen und traurigmachen Erinnerungen, sondern Beispiele gelingenden Lebens in größter Not – nicht nur deshalb wünschen wir allen Leserinnen und Lesern viele neue Erkenntnisse und besinnliche Stunden.
Das wünschen
Sandra Wisch und das Team von bibli.com
|